Wolfgang Heller

Draußen zuhause ….

Von Kindesbeinen an war ich gerne draußen. Bei Sonne, Wind und Schnee. Weniger bei Regen, denn richtige Regenklamotten hatten wir damals nicht.

Herbst 1944. Mein Vater war im Krieg, meine Mutter war zu meiner Geburt nach Wolfenhausen ausgelagert, weil der Bahnhof in Audenschmiede zusammen mit der Weiltalbahn immer wieder von alliierten Fliegern angegriffen wurde. So wurde ich im Oktober 1944 in Wolfenhausen geboren. Vielleicht hatte das oder die Tatsache, dass in den Wäldern um Wolfenhausen 100 Jahre zuvor der letzte Wolf der Region erlegt wurde, Einfluss auf meine Namenswahl.

Als der Krieg dann im Frühjahr 1945 zu Ende ging, begann trotz aller Not eine gute Zeit. Meine Großmutter war ein Versorgungsgenie. Sie hatte einen großen Garten, im kleinen Stallgebäude des Bahnhofs standen zwei Ziegen, eine Kuh und zwei Schweine und im Hof tummelten sich Hühner und Gänse. Hunger ließ sie nicht zu. Sie war befreundet mit den drei Bauernfamilien im Ort und wenn die Erntezeit kam, half sie dort unermüdlich aus und verdiente sich so das Korn fürs Brot und die Kartoffeln für den Winter. Ich erinnere mich noch gut an die kleine Speisekammer im Bahnhof, die stets gut mit lebenswichtigen Sachen und so mancher Leckerei gefüllt war. Und wenn dann der Herbst kam, ging’s raus in die weiten Wälder rund um Audenschmiede, um Pilze zu sammeln und Bucheckern zu lesen.

In meinen frühen Erinnerungen sehe ich mich als Kind zwischen hohen Bäumen auf den ausgebreiteten weißen Bettlaken sitzen, auf die die Bucheckern prasselten, die mein Vater, ein unerschrockener Kletterer, oben aus den höchsten Buchen herunterrüttelte. Mit Gurt und Steigeisen der Telegrafenarbeiter bestieg er damals die bis in die Wipfel glatten Buchenstämme, um die Bucheckern herunterzuschütteln, aus denen dann in der ‚Olemüll‘ bei Wolfenhausen das kostbare Bucheckernöl gepresst wurde.

Diesen Platz mit dieser großartigen Aussicht verbinde ich mit so mancher Erinnerung …

Unser Leben spielte sich damals und auch in den Folgejahren vor allem unter Gottes weitem Himmel ab. Drin waren wir nur zum Essen, Schlafen, für die Hausaufgaben oder wenn das Wetter zu schlecht für draußen war.

Ich hab dann auch den passenden Beruf gefunden, der die Arbeit mit ganz viel Freiheit verband, meine Fächer Geografie, Mathe und Sport passten zu meinem Leben, ich konnte wandern, jagen, reisen, fotografieren. Die Bayern würden sagen: „Passt scho …“

Jetzt, wo ich pensioniert bin, schau ich mir meine Heimat mit aller Zeit, die mir verbleibt, noch ein wenig genauer an, und mache das, was wir früher gespielt haben, zum Online-Hobby: Stadt, Land, Fluss, ….

Wolfgang Heller, 4.12.20 (Bilder folgen)