Im Revier

Der Hintertaunus ist heute mein Revier, in dem ich heute mit meinem Dackel gerne unterwegs bin. Ohne Büchse, dafür mit Dackel und Kamera. Dort, wo die zerzausten Fichten stehen, lag mein erstes Revier, das Feld außen gehörte zum östlichen Teil meines zweiten, 740 ha großen, Feldwald-Reviers. Davon gibt es manches zu erzählen.

Macht eigentlich nichts her, das Bild. Hier gehen 99 von 100 Leuten achtlos vorbei. Dem Auge des aufmerksamen Jägers erzählt es aber eine kleine Geschichte: Die gewendeten Blätter der Brombeeren erzählen uns, dass hier seit Tagen Rotwild aus dem Wald ins Feld wechselt, aber auch zurück wechselt. Das sagen uns in beide Richtungen gewendete Blätter und die Tatsache, dass der Wechsel nicht tief ausgetreten ist, wie wir das von Sauen kennen. Wäre ein mehrendiger Hirsch dabei, könnten wir das an seiner ‚Himmelsspur‘ erkennen, an den gewendeten Blättern und gebrochenen kleinen Zweigen in Kopfhöhe. Wer mehr wissen will, kann noch näher hinschauen, oder sich in den nächsten Tagen ein Stück weit weg vom Wechsel ansetzen, um zu sehen, wer da spät abends, nachts oder frühmorgens unterwegs ist.

Ist das nicht eine richtige Jägerkanzel ? Versteckt in ein paar Bäumen steht sie an der Waldgrenze zum Feld . Direkt am Weg verzeiht auch empfindliches Wild menschliche Spuren. Und wenn man erst einmal oben sitzt, ist man Teil der Natur. Etwas ist aber anzumerken: Die Kanzel steht auf zwei Beinen und einer Querstange, die an zwei Bäume genagelt ist. Das ist nicht gut. Zur Sicherheit und zur Schonung und Entlastung der Bäume wäre es noch heute gut, zwei weitere Stützpfosten einzuziehen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass die Nägel der Querstütze von den Bewegungen der Bäume im Wind brüchig werden und wegbrechen. Das würde den Absturz der Kanzel bedeuten.

Ich wäre auf diese Weise fast selbst einmal von einer hohen Leiter gefallen. Als ich in meinem ersten Revier die übernommenen Sitze kontrollierte, klettert ich auch hoch auf den Lochsitz. Der war mit wunderbarer Sicht auf das vorgelagerte Feld in etwa 8 Metern Höhe dreieckig zwischen 3 Fichten eingebaut. Drei Stangen für den Boden, zwei Stangen für die Sitzauflage und 2 Stangen für die Brüstung. Oben fühlte man sich wie in einem Mastkorb eines Hochseeseglers. Ich stieg die Leiter hoch und kniete erst einmal auf dem Bodenbrett. Als das hielt, neigte ich mich nach vorne um die hintere Aufhängung zu kontrollieren. In dem Moment senkte sich das Sitzdreieck einen halben Meter nach hinten ab. Alle hinteren Nägel waren von den Windbewegungen der drei Fichten durchgeleiert und brachen weg. Nur weil ich mich im Aufstiegsbereich des Sitzes festhalten konnte, stürzte ich nicht hinunter. Die Moral von der Geschicht: Bau Sitze zwischen Bäume nicht!

Ich habe die Leiter dann noch noch mal in Betrieb genommen , neue Traghölzer eingezogen und mit kräftigen Drähten und Verstrebungen zur Leiter hin gesichert. Die Konstruktion hielt aber nur einen Sommer. Über Winter sorgte ein heftiger Sturm für das Ende des Lochsitzes.